Achtsamkeits-Impuls: Meinungs-Freiheit

Unserer eigenen Meinung schenken wir leicht mehr Glauben und Vertrauen als der unseres Gegenübers. Teilt jemand unsere Meinung nicht, reagieren wir skeptisch oder erzürnt. Schnell sind wir dabei zu urteilen: Dem anderen fehle es an Einsicht in die Problematik oder in das Thema. Also bemühen wir uns vehement, ihn zu überzeugen. Oder aber wir unterstellen ihm, dass er uns nicht verstehen will. Manchmal verurteilen wir den anderen auch als nichtwissend und reagieren arrogant. Was ist so schlimm, wenn jemand eine andere Meinung hat? Schließlich droht dadurch keine Gefahr. Jeder Mensch sieht die Welt durch seine eigene Brille. Es gibt keinen Menschen, der identisch denkt und fühlt wie du, keinen einzigen. Jeder Mensch läuft in seinem persönlichen Film durchs Leben, im Gepäck seine individuellen Erfahrungen und Prägungen. Trotzdem können wir es nicht so gut leiden, wenn Menschen, an denen uns etwas liegt, anderer Meinung sind.

Die einzige reale Bedrohung, die wir spüren, ist die Gefahr des Nicht-verstanden-Werdens. Wenn du achtsam schaust, was in so einer Situation wirklich passiert, begegnest du deinen eigenen Gefühlen. Du erkennst, warum dir ein Diskurs so viel ausmacht, welche Bedeutung er in Bezug auf dein Selbstverständnis hat. Ebenso kannst du in der Klarheit auch erkennen, warum dein Gegenüber so ist, wie er nun einmal ist. In dieser respektvollen und ehrlichen Begegnung wächst Mitgefühl, Verstehen und Innigkeit. Es entsteht ehrliche Nähe, die keiner Meinungsgleichheit bedarf.

 

“Für die Freundschaft von zweien ist die Geduld von einem nötig.”

Aus Indien

 

Über Achtsamkeit im allgemeinen, was das ist und wie es dir hilft, kannst du hier weiterlesen