Im Miteinander Dankbarkeit erfahren

Mir geht es gut, dir geht es gut, dann scheint ja alles bestens zu sein. Sobald mir jemand sagt, meine Sorgen seien überflüssig, reagiere ich gereizt, obwohl derjenige natürlich Recht hat. Ich mag nur nicht den erhobenen Finger, aus dem Alter bin ich raus. Trotzdem stimmt es: Mit etwas mehr Dankbarkeit lösen sich meine dunklen Wolken auf und Sonnenstrahlen dringen zu mir durch.

Mit dem Blick der Dankbarkeit erkennst du das Gute in deinem Gegenüber.

Dankbarkeit für das Andere im Gegenüber.

Gestern traf ich mich mit einer Freundin und wie so oft waren die Kinder das Gesprächsthema. Ich klagte mal wieder darüber, dass mein Sohn irgendwie nicht „in die Puschen kommt“. Er macht alles langsam, hat die Ruhe weg, lässt sich niemals stressen und hat eine komplett andere Energie als ich. Beispielsweise überlegt er jeden Morgen bewusst, worauf er Appetit hat. Entsprechend nimmt er sich Zeit, um Obst für sein Müsli zu schnibbeln oder Zwiebeln für ein Omelette in der Pfanne anzubraten. Das dauert. Niemals würde er einen Gang zulegen, das käme ihm gar nicht in den Sinn. Statt sich jetzt mit Vollgas zu überlegen, was nach der Schule passiert, schon jetzt zu schauen, was denn so infrage käme, lebt er im Hier und Jetzt. Meine Rastlosigkeit prallt an ihm ab. Wie wäre es, wenn ich stattdessen dankbar dafür bin, dass mir durch seine ruhige und langsame Art der Spiegel vorgehalten wird?

„In allen Wesen schlummert der Same der Vollkommenheit. Dennoch bedarf es des Mitgefühls, um dieses Potenzial, das in unserem Herzen und in unserem Geist wohnt, freizusetzen.“

Aus: „Mein Wegweiser zum Glück“, Gespräche zwischen dem Dalai Lama und dem Psychiater Howard C. Cutler

Das Andere im Gegenüber mit Dankbarkeit wertzuschätzen, weil es uns etwas lehren soll, weil es uns etwas über uns selbst aufzeigt. Darum geht es doch bei jeder Begegnung im Leben. Gerade auch Menschen, die uns fremd sind, mit deren Art und Weise wir im Grunde nicht recht etwas anfangen können, gerade diese Menschen sind interessant. Sie zeigen uns immer einen Teil von uns auf, der in uns schlummert. Dabei erinnere ich mich an eine Bekannte aus einer Therapiegruppe, die jedes Mal bei den Sitzungen extrem viel Zeit für ihre Probleme einforderte. Immer weitete sie ihre Sorgen und Nöte aus und alle anderen lauschten geduldig. Mich nervte das extrem. Und warum? Weil ich es mir nie erlaubte, mir für meine Sorgen den gleichen Platz zu nehmen und mir auch selbst diese „Jammerei“ niemals erlaubt hätte. Im Nachhinein bin ich deswegen dankbar für diese Begegnung, denn ich darf mir auch Platz nehmen und ich darf auch „jammern“, wenn es mir schlecht geht.

Dankbarkeit ebnet den Weg für Toleranz

Welche Menschen bringen dich mit ihrer Art auf die Palme? Mit dem Blick der Dankbarkeit erkennst du den Menschen ganzheitlicher. Dann erkennst du vielleicht das vernachlässigte Kind in ihnen, das nie wirklich die Aufmerksamkeit bekommen hat, die es gebraucht hätte. Oder auch das verwöhnte Kind, dem nie etwas abgeschlagen wurde. Wir sind die Produkte von so vielen „Fremdeinwirkungen“ und dieses zu verstehen, entscheidet darüber, wie wir bei Begegnungen reagieren. Das bedeutet nicht, dass wir jetzt jeden Menschen liebevoll umarmen sollen. Doch durch das Verstehen entwickelt sich Toleranz. Und Menschen, über die du dich vorher geärgert hast, können dir weniger anhaben. Du begegnest ihnen großmütig und kein Ärger bleibt an dir haften. Im Gegenteil: Versuche in solchen Situationen einmal in die Dankbarkeit zu gehen. Dankbarkeit dafür, dass es dir gut geht und dass du mit dir im Reinen bist.

„Ein Endresultat oder ein Produkt von Geduld und Toleranz ist Vergebung. Wenn man wirklich geduldig und tolerant ist, entsteht die Bereitschaft zur Vergebung wie von selbst.“

Aus: „Mein Wegweiser zum Glück“

Aus der Demut heraus entwächst Dankbarkeit

Während ich hier so meine Gedanken aufschreibe, habe ich fast das Gefühl, dass Demut der Schlüssel für alles sei. Hast du mal versucht, deinen Alltag mit einem demütigen Blick zu betrachten? Demut führt uns automatisch zu mehr Achtsamkeit und zu einem ganzheitlichen Erleben. Es macht uns gefühlsmäßig weicher und erfüllter. Demut entwaffnet allen Ärger. Wir erleben dadurch mehr Momente, in denen wir uns im Einklang fühlen. Es entstehen quasi Atempausen der Ruhe und Zufriedenheit. Der buddhistische Mönch Matthieu Ricard beschreibt diese Momente als flüchtige Augenblicke, in denen wir das Blau des Himmels wie durch ein Nadelöhr erblicken. Je öfter wir solche Momente erleben, desto freier wird der Himmel. Und sind wir wahrhaftig glücklich, sehen wir den Himmel ganz und gar.

„Glück ist ein ewiger innerer Seinszustand. Egal, was um dich herum passiert: Diese Quelle sprudelt in dir. Sie besteht aus Güte, Mitgefühl, Selbstlosigkeit, Geduld und Lebensfreude.“

Mathieu Ricard, Interviewauszug

Meine achtsamen Bemühungen haben mich gelehrt, dass eine demütige Haltung meine Dankbarkeit für mein Leben, wie es nun einmal gerade ist, erhöht. Beobachte ich meinen Sohn bei seiner Frühstückszeremonie, empfinde ich Demut, dass er mein Sohn ist, dass ich so viel Liebe für ihn fühlen darf und welch ein Geschenk er doch für mein Leben bedeutet. Ich richte meinen Fokus auf das warme Gefühl aus, das uns verbindet, und auf nichts anderes. Meine Haltung entscheidet, wie ich mit dem umgehe, was mich ja eigentlich nervt: seine sorglose Zeitlosigkeit. Statt ihn anzutreiben, spüre ich der Dankbarkeit nach und schon verändert sich für uns beide die gesamte Situation und dich genieße es, bei ihm zu stehen und ein wenig mit ihm zu reden.

Dankbarkeit verbindet

Je dankbarer du dem Leben begegnest, desto mehr öffnest du dein Herz. Gram und Frust dagegen verengen dein Herz und machen einsam. Dankbarkeit ist wie ein Vogel, der seine Flügel ausbreitet. Dir öffnet sich die Fülle des Lebens. Dir eröffnen sich Begegnungen. Denn jede Begegnung im Leben bereichert deinen Horizont. Statt Schwarz und Weiß, siehst du plötzlich das gesamte Farbspektrum.Am Sonntag nun hatte mein Sohn Geburtstag und ich hatte ihm einen Brief geschrieben, indem ich mich bei ihm dafür bedankt habe, dass er so ist, wie er ist. Erst danach stellte ich fest, wie sehr mich dieses Schreiben mit Dankbarkeit füllte und wie leicht es mir seitdem fällt, sein Tempo wohlwollend zu betrachten. Vielleicht magst du auch einmal jemanden einen Brief schreiben, der dich in seinem „Anderssein“ beschäftigt. Ich hatte es komplett absichtslos gemacht, wollte meinem Sohn eine Freude machen, und war überrascht, welche Wirkung dieser Brief auch für mich hatte.

„Das Geheimnis liegt wohl darin, die Dankbarkeit zu einer grundsätzlichen Lebenshaltung zu machen. Denn unser inneres Glück ist keineswegs von den äußeren Umständen abhängig. Wir haben es selbst in der Hand, wie wir die Dinge sehen wollen.“

www.lotuscrafts.eu

Lama Ole Nydahl schreibt in seinem Buch „Wie die Dinge sind“, dass die Krönung der Liebe der Gleichmut sei. Und ich glaube, dass Demut und Dankbarkeit der Weg zum Gleichmut sind.

Und wenn ich mich jetzt beeile, erwische ich meinen Sohn noch in der Küche, der, währen ich hier sitze und schreibe, sein Abendbrot zubereitet hat.

  • Das Andere in meinem Gegenüber betrachte ich mit dem Blick der Dankbarkeit.
  •  Ich übe mich in Geduld mit anderen und beobachte, was ihr Verhalten in mir auslöst (körperlich und emotional).
  •  Ärgernisse nehme ich in dankbar an, atme und versuche sie mit dem Blick der Demut zu betrachten.

 

Über Achtsamkeit im allgemeinen, was das ist und wie es dir hilft, kannst du hier weiterlesen Worum es speziell beim Thema "Dankbarkeit" geht, findest du hier ...

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