Darauf kommt es laut Hildegard von Bingen im Februar an

Kennt du auch das Gefühl, dass der Februar so eine Art brachliegender Monat ist? Nicht mehr richtig Winter und der Frühling noch in weiter Ferne. Kurz gesagt: Der Februar bietet in Punkto Natur wenig Inspiration. Schaust du jedoch genau hin, so wie es Hildegard von Bingen einst getan hat, entdeckst du hier und dort doch viel Interessantes für dein inneres Wachstum und für dein Wohlergehen.

Hildegard von Bingen hatte einen unglaublich ganzheitlichen Blick, den neide ich ihr. Besser gesagt, ich lasse mich von ihrer Weitsicht animieren, meine Augen zu öffnen und achtsam zu schauen. Darum geht es nämlich im Monat Februar. Wie du weisst, hatte Hildegard von Bingen Monatstexte geschrieben, da sie erkannte, dass sich der Zyklus der Natur auch im Menschen spiegelt. Die natürlichen Eigenschaften jeden Monats prägen uns Menschen ebenfalls in unterschiedlichen Bereichen: in Bezug auf unseren Körper, unsere Sinnesorgane und letztendlich auch in unseren Verhaltensweisen.

Der Februar steht für Reinigung und einen klärenden Blick: Mit welchen Bildern fütterst du deinen Geist?

Laut Hildegard von Bingen steht der Februar für Reinigung.

Hier und da beginnt der Schnee zu schmelzen und der Regen wäscht nun all den Unrat weg, wie zum Beispiel die noch vom Herbst verbliebenen Blätter, längst verfaulte Früchte und andere Exkremente. Die Natur beginnt sich selbst zu reinigen.

“Er (der zweite Monat) findet seine Entsprechung in den Augen. Die Augen sind wässrig, manchmal trüb und von Krankheiten befallen; sie reinigen sich aber manchmal von selbst.”

Aus: “Welt und Mensch – De Operatione Dei

Vielleicht empfindest du wie ich zurzeit eine Art Trockenheit in den Augen, bedingt durch die viele Heizungsluft des Winters. Dann nichts wie raus in die Natur. Angeblich regt das Betrachten von Grün, wie zum Beispiel Wiesen oder Rasenflächen, den natürlichen Tränenfluss an. Und selbst wenn noch wenig Grün sichtbar ist, die Luftfeuchtigkeit und der Wind wirken ähnlich befeuchtend. Doch meint Hildegard von Bingen mit den Augen nicht nur das Physische. Ein klarer und ungetrübter Blick „befeuchtet“ nämlich auch die Seele.

Hildegard von Bingen geht es vor allem um die Säuberung der Gedanken.

Du entscheidest, was du siehst. Und entsprechend dieser Entscheidung richtest du deine Gedanken aus. Denn alles, was du durch deine Augen hineinlässt, dringt in deinen Geist. Das verdeutlicht, wie groß die Verantwortung ist, die du für dich und jeder andere auch für sich selbst trägt. Wo schaust du bewusst weg, weil du ansonsten etwas tun müsstest, etwas ändern, etwas in die Wege leiten? Seien es die Geschehnisse in der Welt, Dinge im Privaten oder deine eigenen Verhaltensmuster. Und wo könntest oder solltest du achtsamer hinschauen, um das Gute und Schöne zu erkennen?

“Die Macht der Seele kann man in den Augen des Menschen sehen, wenn seine Augen klar, hell und durchsichtig sind, weil die Seele mit Macht im Körper wohnt, um recht viele Werke in ihm zu vollbringen. Die Augen des Menschen sind nämlich die Fenster der Seele.”

gutezitate.com

Nach Hildegard von Bingen bedarf es eines klaren Blickes für das innere Sehen

 

“Wenn er (der Mensch) dann mit den Augen seines Gewissens betrachtet, was er mit seinen Sünden angestellt und wie er sie ohne Bereitschaft zur Buße ausgeführt hat, dann wird er von allem Schmutz gereinigt werden.

Aus: “Welt und Mensch – De Operatione Dei

Uiuiui, das hört sich jetzt arg streng und tadelnd an, doch die Wörter „Sünde“ und „Buße“ sollten dich nicht abschrecken. Hildegard von Bingen war schließlich eine sehr gottesfürchtige Äbtissin des 12. Jahrhunderts. Für steckt in diesen Sätzen die Aufforderung dazu, meine Augen achtsam nach innen zu richten. Wo sündige ich an mir selbst und an meinem Körper, indem ich zum Beispiel unermüdlich weiter mache, während mir mein Körper das Bedürfnis nach Ruhe signalisiert.

Wo überhöre ich die Stimme meiner Seele, indem ich statt ihrem Wunsch nach Innenkehr und Stille, mit einem unermüdlichem Spaß- und Freizeitprogramm weitermache. Richte deine Augen mehr auf das, was dir guttut und lass dich nicht von den vielen Bildern im Außen beirren, die dich zu etwas verführen, was wenig mit deinen wahren Bedürfnissen zu tun hat. Denn schaust du mit klaren Augen, erkennst du, was deine Seele zum Wachsen braucht.

 

  • Ich verabschiede mich vom Freizeitstress und spüre erst einmal achtsam in mich hinein, bevor ich aktiv werde: Was braucht meine Seele jetzt wirklich?
  • Ich werde meinen Fokus mehr auf mein inneres Auge richten statt mich von dem, was alle anderen machen, ablenken zu lassen.
  • Ja, auch wenn die Natur zur Zeit wenig lockt, ich gehe hinaus in die Natur mit der Frage: Wovor verschließe ich in meinem Alltag die Augen?

Über Achtsamkeit im allgemeinen, was das ist und wie es dir hilft, kannst du hier weiterlesen

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