Laut Hildegard von Bingen ist der März ein Unruhestifter

Hildegard von Bingen erkannte in dem Monat März die unruhige Kraft, die sich mit dem Erwachen der Natur auch in uns Menschen regt. Der nahende Frühling macht Lust und Laune. Doch Vorsicht, wer hier nicht achtsam bei sich bleibt, läuft Gefahr, zuwider seiner Natur zu handeln. Und alles, was nicht in Harmonie aus uns selbst entsteht, wendet sich letztendlich gegen uns.

Hildegard von Bingen wusste, dass im März die Winde noch kräftig wehen. Mit Nachsicht und achtsamen Gewahrsein unserer Gedanken sorgen wir jetzt gut für uns.

Hildegard von Bingen geht es ums achtsame Spüren

Hildegard von Bingen beschreibt den Monat März als Unruhestifter. Wie wahr, denn wir spüren wieder Energie in uns pulsieren. In der Natur kommt jetzt vieles in Bewegung, die Tage werden länger und in uns keimt die Lust, die winterliche Trägheit abzustreifen. Damit die Lebensfreude sich mit Leichtigkeit entfalten kann, darfst du dir jedoch keinen Druck machen. Sollte dein Energie-Modus noch im Winterschlaf sein, ist das auch in Ordnung. Jeder Mensch hat seinen eigenen Rhythmus. Spüre achtsam in dich hinein, wonach dein Körper sich jetzt sehnt. Zwinge ihn nicht um jeden Preis zu einem Aktivismus, der ihn überfordert. Denn auch deine Seele braucht ihre eigene Zeit, um in den Frühling einzutauchen und zu aufzublühen.

Hildegard von Bingen nimmt Rücksicht auf die Seele.

„Auch die Seele im Leibe, der durch sie bewegt und ausgefüllt ist und wie mit Gefäßen verknüpft wird, steht in einer Auseinandersetzung mit den anwachsenden Kräften der Natur.“

Aus: “Welt und Mensch – De Operatione Dei”, www.gottliebtuns.com

Sicher, die Ausdrucksweise der Äbtissin ist gewöhnungsbedürftig. Doch liest man solche Sätze aufmerksam, versteht man, wie feinfühlig Hildegard von Bingen für den Seelenaufruhr war, der unweigerlich mit dem nahenden Frühling einhergeht.

Sie bezieht sich weiter in ihrer Monatsschrift auf die Pubertät. Ein schöner Vergleich, denn in dieser Zeit ist ebenfalls alles in Aufruhr.

„In dieser Situation gleicht der Mensch in der Mitte seiner Jugend einem Baume, der zunächst nur grobes Geäst und später erst die Früchte ans Licht bringt.“

Aus: “Welt und Mensch – De Operatione Dei”, www.gottliebtuns.com

Damit die Früchte reifen, braucht es Zeit. Daher lass dich nicht verrückt machen von all den Frühjahrsdiäten und Fitnesstipps, für die jetzt in jeder Zeitschrift geworben wird. Man muss nicht von Null auf Hundert topfit dastehen. Und es ist normal, dass dein winterblasses Gesicht noch müde ausschaut. Spüre stattdessen lieber achtsam in dich hinein, was deine Seele braucht. Gib ihr ausreichend Zeit, um aus der Geborgenheit der nun endenden Winterzeit zu schlüpfen. Genieße lange Spaziergänge und erfreue dich an dem Erwachen der Natur. Nimm wahr und nimm auf und spüre achtsam nach, was dieser Wandel der Natur in dir bewegt.

Hildegard von Bingen plädiert für Nachsicht

Mich macht es übellaunig, wenn ich das Gefühl habe, ich MUSS voller Elan und Energie strahlen, weil es irgendwie erwartet wird. Das bereitet mir innerlich Druck. Ich habe Angst, nicht mithalten zu können. Beim Blick in den Spiegel sehe ich ein faltiges und blasses Gesicht und öffne ich den Kleiderschrank, hängen dort die dicken Winterpullis, die ich nach all den Wochen auch nicht mehr sehen kann. Ich mag mich selbst nicht leiden. Am liebsten hätte ich jetzt gerne alles neu, mich inklusive. Kein schönes Gefühl und es stärkt nicht gerade mein Selbstbewusstsein. Im Gegenteil, diese negative Sicht auf mich selbst stimmt mich traurig und gereizt.

„Unter solchen Umständen unterliegt seine Seele einer trübseligen und wehleidigen Stimmung, weil sich der Verdruß über die eigene Minderwertigkeit mehr und mehr häuft…. Bei diesem beklagenswerten Zustand wird die Seele traurig, jene Seele, in die alles, das Gute wie das Böse, zurückkehren muß, …“

Aus: “Welt und Mensch – De Operatione Dei”, www.gottliebtuns.com

Wie Recht Hildegard von Bingen doch hat. Denn alles, was wir tun oder denken, fällt letztendlich auf uns zurück. Daher nehme ich mir jetzt fest vor, nachsichtig mit mir umzugehen und mich nicht im ständig selbst kleinzureden. Meine verurteilenden Gedanken verändern ohnehin nichts. Sie schaden nur mir selbst. Ein liebevoller Blick auf mich selbst verändert jedoch alles: Ich öffne mich für das Schöne um mich herum und lasse zu, dass es zu mir dringt. Denn je verurteilender ich mich selbst betrachte, desto mehr schotte ich meine Wahrnehmung für das Positive ab.

Hildegard von Bingen lauscht achtsam

„Durch das Blasen der verschiedenen Winde bewegt er auch alle Keimlinge der Erde. Man kann darunter auch die Ohren verstehen, in denen der Schall aller nützlichen und unnützen Dinge gehört wird.“

Aus „Liber divinorum operum – Buch der göttlichen Werke

Unsere Ohren können wir nicht verschließen. Daher lass dich nicht von dem vielen Gerede beeinflussen. Tatsächlich werden unsere Gefühle über das Hören wesentlich stärker beeinflusst als durch das Sehen. Lass aber auch nicht zu, dass du dich von deinen inneren Stimmen, die an dir herumgängeln, beeinflussen lässt.

Hildegard von Bingen mahnt zu einem achtsamen Hören, zu einem bewussten Hören. Und bei einem bewussten Hören geht es auch um das Wahrnehmen, wie du mit dir selbst sprichst. Lass nicht zu, dass du dich selbst schlecht redest. Gehe jetzt lieber so oft es geht hinaus in die Natur und lausche den Stimmen der Natur. Naturgeräusche entspannen und besänftigen den inneren Aufruhr, sie stimmen uns glücklich.

  • Ich achte auf meinen persönlichen Rhythmus und spüre achtsam in mich hinein, wonach mein Körper sich sehnt.
  • Sobald ich spüre, dass ich mich gedanklich schlecht mache, halte ich inne, atme bewusst und sage mir: „Ich bin okay, wie ich bin.“
  • Sämtliche Artikel über Frühjahrsdiäten und Fitnessprogramme ignoriere ich, denn ich will mich nicht unter Druck setzen lassen.
Über Achtsamkeit im allgemeinen, was das ist und wie es dir hilft, kannst du hier weiterlesen Weitere Informationen zu "Hildegard von Bingen" findest du hier ...

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