Macht Dankbarkeit frei?

Sommerzeit ist doch etwas Herrliches: Die Tage sind lang und länger, draußen tobt das Leben und alles scheint fröhlicher und leichter zu sein. Wir fühlen uns freier und gelöster. Und wie schafft man es, dass dieses Gefühl nach dem Sommer nicht gleich wieder verpufft? Dankbarkeit. Dankbarkeit ist das Zauberwort, das deine Wahrnehmung verändert, deine Haltung und deine Einstellung dem Leben gegenüber beeinflusst, dich stärkt und positiver macht.  

Dankbarkeit verändert deine Sicht der Dinge

Welch ein Genuss, abends noch lange draußen sitzen zu können, im Garten, auf dem Balkon oder in einem Park. Im Sommer scheint das Leben wie ausgewechselt zu sein und wir fühlen uns automatisch freier und gelöster. Vielleicht gönnst du dir zwischendurch ein Eis, fährst jetzt mit dem Fahrrad zur Arbeit oder schlenderst abends noch eine Runde durch dein Viertel.

Der Alltag bietet jede Menge Momente, um kurz innezuhalten und in Dankbarkeit gewahr zu werden, wieviel Gutes uns umgibt.

Im Winter dagegen verkriechen wir uns und rutschen schnell in einen Funktionsmodus. Dabei ist es wichtig – jeden Tag, egal zu welcher Jahreszeit – das Leben ein klein wenig zu feiern. Wenn du dir jetzt also diese kleinen Freiheiten gönnst, gönne sie dir bewusst. Spüre in Dankbarkeit nach, wie gut sie sich anfühlen, welch ein Geschenk du dir damit selbst bereitest. Je dankbarer du diese Dinge wahrnimmst, desto positiver und freudvoller gehst du durchs Leben und desto selbstverständlicher sorgst du dafür, dir kleine Glücks- und Dankbarkeitsmomente zu erlauben.

Jeder Moment der bewussten Dankbarkeit öffnet den Vorhang für die Schönheit des Lebens.

 

Dankbarkeit befreit dich aus den Alltagsfesseln

Dankbarkeit bewusst zu erleben, verändert die Wahrnehmung deines Alltags. Heute Morgen zum Beispiel: Da wir gerade im Urlaub sind und es hier einen Pool gibt, schwimme ich vor dem Frühstück gerne ein paar Bahnen, bevor das Becken voll wird. Doch statt dieses tägliche Fitnessprogramm achtlos durchzuziehen, habe ich mich heute früh an den Rand gelehnt und beobachtet, wie hübsch das Lichtspiel der Sonne auf der gekräuselten Wasseroberfläche aussieht. Hinter dem Pool die Weinberge und darüber ein blauer Himmel. Kitschig schön. Und statt durch das Wasser zu hechten, stand ich da und habe dem Glück des Moments nachgespürt, voller Dankbarkeit und Freude.

„Das Leben besteht aus Augenblicken“

Aus „Gesund durch Meditation“, Jon Kabat-Zinn

Das ist wahr. Und seitdem ich Achtsamkeit und vor allem Dankbarkeit praktiziere, erlebe ich auch im Alltag derartige Momente des kleinen Glücks, die den großen Unterschied machen. Die Tage fühlen sich intensiver an, leuchtender und kraftvoller, dabei hat sich äußerlich nichts geändert. Das Alltagskarussell dreht sich wie gehabt weiter, doch ich erkenne die „Perlen“ darin, nehme mir die Freiheit, diese dankbar zu genießen.

Jon Kabat-Zinn schreibt, dass Achtsamkeit uns den Wechsel vom „Aktionsmodus in den Seinsmodus“ lehrt. Ob ich bereits mehr „bin“, das weiß ich nicht. Ich fühle mich selbstbestimmter und damit ein wenig freier. Ich habe tatsächlich das Gefühl, dass diese dankbare achtsame Wahrnehmung mich stärkt und den Böen des Alltags gegenüber standfester macht. Doch dafür ist es wichtig, jeden Tag neu, die Augen zu öffnen und bewusst wahrzunehmen. Sich selbst die Freiheit zu nehmen, das „Sein“ zu spüren.

Dankbarkeit stärkt dein Vertrauen

„Wir wollen unseren Willen der Freiheit übergeben, wir wollen zeitweilig Taosten sein.“

Aus: „Wie wir sind“, Vincent Deary

Die frühen chinesischen Philosophen sahen die ideale Lebenshaltung im Nicht –Handeln – im Wu wei. Hier geht es nicht um das Nichtstun. Sondern darum, auf natürliche Weise das Richtige zu machen. Wie eine Blume, die ohne zu überlegen der Sonne entgegenwächst. Diese Freiheit möchte ich auch erlangen: Mühelos wissen, wie ich handeln muss, um mich ebenfalls der Sonne entgegenstrecken zu können.

Mich von meinen inneren Zwängen befreien, keine Grübeleien, sondern ein erfüllendes Wissen: So ist es gut – das nenne ich Freiheit.

Vielleicht erlebst du dieses Gefühl der Freiheit auch erst im Urlaub. Nur ist ja nicht das ganze Jahr über Urlaub. In Bezug auf Freiheit geht es mir daher auch um etwas anderes: Ich spüre durch die Praxis der Dankbarkeit, dass ich vertrauensvoller werde, gelassener und mich weniger in Grübeleien vergrabe. Wie ein kleines Kind sich vertrauensvoll von der Mutter auf dem Arm tragen lässt, genauso vertrauensvoll möchte ich vom Leben getragen werden. Und Dankbarkeit ist der Weg dahin, denn Dankbarkeit lehrt uns, das Leben wertzuschätzen, mit allen Hochs und Tiefs.

„Wir wünschen uns manchmal eine Umgebung, in der bereits für uns gedacht worden ist. Es denkt, also müssen wir nicht mehr denken.“

So beschreibt Psychotherapeut und Autor Vincent Deary unseren zeitweiligen Wunsch nach Wu wei, dem „Nicht-Handeln. Hier im Urlaub kein Problem, denn die Tage sehen ziemlich gleich aus: Baden, Lesen, Ausflüge und abends kulinarisch den Tag ausklingen lassen. Ich überlasse mich vertrauensvoll diesem Ablauf. Ausnahmezustand. Im Alltag oder in Bezug auf die großen Fragen des Lebens fehlt dieser Masterplan. Ich glaube, dieser Wunsch, sich vertrauensvoll überlassen zu können, den möchte ich mir mit Achtsamkeit erfüllen. Mein Herz soll mich leiten und nicht mein ruheloser Verstand. Und Dankbarkeit ist der Weg zum Herzen, das mir dann den Weg weist.

„Wir wollen auf einer Fahrt mitgenommen werden, die Eigenverantwortung abgeben, eine Weile dem Willen entsagen zugunsten von etwas, das uns ohne unser bewusstes Zutun bewegt.“

Nach Vincent Deary fordern wir genau dieses von unserem Leben. Selbst in der Freizeit: Machst du zum Beispiel einen Sonntagsspaziergang durch den Park, folgst du, ohne zu überlegen, den angelegten Wegen, gehst die Pfade wie alle anderen auch. Du läufst nicht quer über Beete oder Rasenflächen. Dankbarkeit öffnet deine Scheuklappen, lässt dich den einen oder anderen Pfad entdecken, den es sich ebenfalls zu gehen lohnt und der dich sanft aus dem Trott heraus zu einem erfüllten Erleben von Zufriedenheit führt.

Dankbarkeit verändert alles

Vielleicht habe ich dich ein wenig motiviert, deinen täglichen Fokus auf Dankbarkeit zu richten. Dafür brauchst du deinen Tagesablauf nicht zu ändern. Es ist lediglich deine Haltung, die bewusst das Schöne erkennt, sich einen Moment dafür Zeit nimmt, um zu spüren, die Freude daran und Dankbarkeit zu fühlen. Praktizierst du dieses eine Weile, wirst du von alleine mutiger und gönnst dir  – wie jetzt im Sommer das Eis im Park – immer wieder ein paar Minuten, um aus dem täglichen Einerlei herauszutreten und bei dir anzukommen, um dich lebendig und frei zu fühlen.

 

  • Im Laufe des Tages halte ich immer mal wieder inne, um bewusst wahrzunehmen, mich zu spüren und meinen Fokus auf Dankbarkeit zu richten.
  • Ich gönne mir hier und da Langsamkeit.
  • Morgens nach dem Erwachen bedanke ich mich über das Geschenk eines neuen Tages und spüre dem Gefühl der Dankbarkeit nach.

Über Achtsamkeit im allgemeinen, was das ist und wie es dir hilft, kannst du hier weiterlesen

Worum es speziell beim Thema "Dankbarkeit" geht, findest du hier ...