Sich selbst treu bleiben mit Hildegard von Bingen

Hildegard von Bingen sieht in jedem der zwölf  Monate etwas Charakteristisches in Bezug auf uns Menschen. Ist spannend, besonders jetzt im Sommer: Alles blüht, die Früchte reifen, die Vögel zwitschern bis in Abend hinein und auf den Straßen herrscht fröhliches Treiben bis in die Nacht. Das kann nur Gutes bedeuten. Mal sehen, was die weise Klosterfrau uns diesen Monat mit auf den Weg gibt.

Der Juli ist die Zeit der Reife. Also der ideale Monat, um seine Ernährung achtsam auf heimische Produkte umzustellen.

 

Hildegard von Bingen fordert uns auf, die Früchte der Natur wertzuschätzen

„Der siebente Monat brennt in voller Sonnenglut und hat gewaltige Kräfte in sich. Er macht die Früchte der Erde reif und trocknet sie aus. Mit seinem zwischen Dürre und Regenfluten schwankenden Wetter ist er voll Leidenschaft.“

Aus: Hildegard von Bingen – Welt und Mensch

Der Juli ist ein Monat, der uns mit der Energie des Sommers beschenkt. Leichtigkeit und Lebenslust verbinden wir mit diesem Monat. Es ist jetzt aber auch an der Zeit, fleißig anzupacken, denn viele Früchte sind reif und müssen geerntet werden. Für alle Städter bedeutet es, ruhig einmal zu einem Bauernhof zu fahren, um selbst Erdbeeren oder Himbeeren zu pflücken. Sich bewusstwerden, wieviel Arbeit in der Bepflanzung und Bewirtschaftung dieser Felder steckt, damit wir die Früchte des Bodens ernten können. Und sich ebenso bewusstmachen, dass diese Früchte ein Geschenk der Natur sind. Wenn wir die Süße einer Erdbeere im Munde zergehen lassen, sollten wir uns daran erinnern, dass die Natur uns nährt. Statt in die Supermärkte zu gehen, bummle jetzt unbedingt über die Wochenmärkte. Das Angebot an frischen Produkten aus der Region ist selten reichhaltig.

Hildegard von Bingen appelliert an unsere maßvolle Unterscheidungsgabe

„Ebenso riecht der Mensch, wie die Dinge der Natur beschaffen sind, und so unterscheidet und erkennt er, was nützlich und was unnütz ist. So wählt der Mensch das aus, was ihm bekömmlich ist und sammelt es in seinem Bauch.“

Aus: „Liber divinorum operum“

Schlenderst du demnächst also über den Wochenmarkt, öffne dabei achtsam deine Sinne: Rieche die Aromen der Früchte und ertaste ihre Form und Beschaffenheit. Es macht Spaß, derart sinnlich einzukaufen. Wie viel mehr Sinnesfreude spürst du dabei im Vergleich zum Einkauf im Supermarkt, wo viele Produkte noch immer in Plastik verpackt sind. Gerade im Sommer, wenn uns die Natur in Fülle beschenkt, können wir ohne großen Aufwand testen, welche Nahrungsmittel uns guttun, um so zu einer gesünderen und bekömmlicheren Ernährung zu finden. Jetzt ist auch die Zeit der frischen Kräuter. Nutzt auch diese, um zu erfahren, inwieweit sie deiner Gesundheit dienlich sein können (www.st-hildegard.com/de/ernaehrung/lebensmittel) . Unabhängig von irgendwelchen Ernährungskonzepten ist dein Körper dein bester Ratgeber. Spüre achtsam in ihn hinein.

Mit Hildegard von Bingen zu mehr Gelassenheit finden

Mit dem Juli neigt sich sozusagen die erste Jahreshälfte bald dem zum Ende zu. Letzte Woche war bereits der längste Tag des Jahres. Genau genommen werden die Tage jetzt wieder kürzer. Der Urlaub neigt sich dem Ende zu oder ist bereits vorbei und manch einem macht der Gedanke zu schaffen, dass der Sommer sich viel zu schnell wieder verabschieden wird. Oft geraten wir zum Ende des Monats auch in eine Art unruhigen Aktivismus. Vieles, was wir uns zu Beginn des Jahres vorgenommen hatten, ist vielleicht noch nicht erreicht. Ratz fatz befinden wir uns in der zweiten Jahreshälfte und dieser Gedanke macht ruhelos. Wir wollten doch längst mehr bewegt haben, wo ist die Zeit geblieben?

„Des Menschen Seele aber, dieser Geisthauch aus Gott, hat einen ausdörrenden Reiseweg vor sich, wie auch die göttliche Weisheit auf einem ausdörrenden Reiseweg den Kreis des Himmels umlief.“

Aus: „Liber divinorum operum“

Hildegard von Bingen weiß um die Annahme der Dinge, um die Akzeptanz des Seins, denn alles hat seinen eigenen Rhythmus. Phasen der Dürre beispielsweise sind immer auch Phasen der Geduld. Vielleicht sollten wir hier mehr dem Leben vertrauen. Auch typische Durststrecken, wo wir meinen, nicht weiterzukommen, nichts zu bewegen, haben ihren Sinn und gehören zum Lauf der Dinge dazu. Vielleicht sind diese Phasen dafür da, einfach einmal das Leben zu genießen, wie es gerade ist, ohne Ansprüche daran.

Nach Hildegard von Bingen ist unser Herz der beste Ratgeber

„Mit dieser Weisheit beginnt der Mensch seine Werke kraft der sieben Gaben des heiligen Geistes und mit Hilfe seiner fünf Sinne und vollendet sie.“

Aus: „Liber divinorum operum

Wenn wir also die Dinge einmal laufen lassen und vertrauen, hat Hildegard von Bingen einen guten Rat für uns. Sie empfiehlt, auf die sieben Gaben des Heiligen Geistes zu vertrauen. Ob wir nun religiös sind oder nicht. Diese sieben Gaben sind wichtig und interessant. Frei interpretiert bedeuten sie wie folgt:

  • Weisheit (Demut)
  • Einsicht (rationale Reflektion, Abwägung)
  • Rat (andere unterstützen und ermutigen, nicht starrköpfig sein)
  • Erkenntnis (Die Welt mit allen Sinnen in Achtsamkeit erfahren)
  • Stärke (Mut für die Hürden des Lebens, Selbstverantwortlichkeit)
  • Frömmigkeit (dem Guten in unserem Herzen vertrauen)
  • Gottesfurcht (Vertrauen in das Leben)

Im Grunde fordert uns Hildegard von Bingen dazu auf, dem Leben vertrauensvoll zu begegnen. Für mich ist ihre Erwähnung dieser sieben Gaben ein Verweis auf ein achtsames Leben. Denn je achtsamer wir leben, desto mehr Vertrauen wächst in uns. Wir befreien uns zunehmend von Ängsten und Ansprüchen (äußere und innere) Und wir erkennen das Wesentliche – die Schönheit des Moments und unsere Herzenssprache. Und jeder Moment, in dem ich achtsam spüre, dass mein Herz sich regt, ist ein Geschenk.

„Wenn die Werke des Menschen ehrenhaft sind, sind sie wie reife Früchte, aber wie vertrocknete Früchte sind sie, wenn sie Verwirrung stiften.“

Aus: „Liber divinorum operum“

 

  • Ich erlaube mir bezüglich all meiner Vorhaben und Ziele Gelassenheit: Durststrecken gehören zum Leben dazu.
  • Statt Teebeutel aufzugießen, werde ich demnächst frische Kräuter und Wurzeln benutzen, zum Beispiel Minze und Ingwer.
  • Statt schnell in den Supermarkt zu eilen, verschiebe ich meine Einkäufe aufs Wochenende und kaufe alles „Frische“ auf dem Wochenmarkt.

 

Über Achtsamkeit im allgemeinen, was das ist und wie es dir hilft, kannst du hier weiterlesen

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