So löst ihr euch von Gewohnheiten, die euch zwar nicht bewusst, jedoch hinderlich sind

Das Ändern unliebsamer Gewohnheiten ist sozusagen der Klassiker unter den guten Vorsätzen für das neue Jahr. Und kaum ist das Jahr zwei, drei Monate alt, war`s das dann auch schon damit. Doch es gibt Gewohnheiten, die uns gar nicht bewusst sind, obwohl sie unser Wohlbefinden gravierend beeinflussen. Sie sind viel wesentlicher, denn sie entscheiden darüber, wie du dich und die Welt siehst.

Deine Gewohnheiten des Denkens, der Begegnung und der Wahrnehmung färben das Bild, das du siehst.

Vor ein paar Tagen schickte mir eine Freundin per Whats App die Geschichte „Der schwarze Punkt“. Mir gefällt sie so gut, dass ich sie gleich einmal mit dir teilen möchte und daraus ein paar Übungen und Impulse für dich zusammengestellt habe.

Also …

Der Schwarze Punkt

Eines Tages kam ein Professor in seine Klasse und schlug einen Überraschungstest vor. Er verteilte sogleich die Aufgabenblätter mit der Anweisung, eine Beschreibung dessen zu machen, was auf dem Arbeitsblatt zu sehen sei. Die Schüler waren überrascht, denn auf dem weißen Papier war nichts weiter zu sehen als ein schwarzer Punkt.

Am Ende der Stunde sammelte der Professor die Arbeitsblätter wieder ein und las die Antworten laut vor. Ohne Ausnahme hatten alle Schüler den schwarzen Punkt beschrieben, seine Position in der Mitte des Blattes, seine Größe im Verhältnis zum Papier etc. Da lächelte der Professor: „Ich wollte Ihnen eine Aufgabe zum Nachdenken geben. Niemand von Ihnen hat etwas über den weißen Teil des Blattes geschrieben.

Jeder konzentrierte sich auf den schwarzen Punkt. Genau das passiert in unserem Leben. Wir erhalten ein weißes Blatt Papier, um es zu nutzen und zu genießen, jedoch konzentrieren wir uns nur auf die dunklen Flecken.“

1. Übung: Verändere deine Gewohnheit des Denkens

 

Doch wir sind oft nur auf die dunklen Flecken konzentriert – die gesundheitlichen Probleme, der Mangel an Geld, die komplizierte Beziehung mit einem Familienmitglied, die Enttäuschung mit einem Freund usw.

Denke das Gute! Hört sich banal an, könnte man auch belächeln, doch probiere es aus: Nimm die schwarzen Punkte in deinem Leben wahr, aber richte deine Aufmerksamkeit auf das Gesamte. Ja, es ist beispielsweise ärgerlich, dass mein Sohn nach dem Wechsel auf die Höhere Handelsschule noch immer faul und bocklos ist.

Wann wacht er endlich auf? Doch wenn ich ihn sehe, dann sehe ich einen mitfühlenden, sozialen, verspielten, humorvollen und lieben jungen Mann, der das Herz am rechten Fleck hat. Das sollte ich mir viel öfter klar machen, statt immer nur den schwarzen Punkt Schule herauszupicken. Schon werde ich nämlich viel entspannter, gehe fröhlicher und liebevoller mit ihm um und entsprechend harmonischer ist unser Verhältnis. Meine schreckliche Gewohnheit „ständig das Thema Schule anzusprechen“ verliert somit mehr und mehr von selbst.

2. Übung: Verändere deine Gewohnheit der Begegnung

Wir stellen uns die Welt so und so vor und entsprechend muss sie auch funktionieren. Klappt das nicht, ist es leicht, den Partner, die Kollegin, die Tochter oder den Nachbarn zu kritisieren. Doch frage die Person stattdessen einmal, was sie sich von dir wünscht. Ich habe meinen Sohn gefragt. Statt ihm eine Standpauke in Bezug auf Lernverhalten zu predigen, wollte ich erst einmal hören, was er sich von mir wünscht. Das war interessant: mehr Privatsphäre, mehr Lob, mehr gemeinsame Café-Besuche nur wir zwei und mehr gemeinsame Familienzeit wir alle vier (Und das mit 18 Jahren, hätte ich im Leben nicht gedacht!). Aha, völlig neue Sichtweise.

Überlege du auch einmal, inwiefern du deine Gewohnheit der Begegnung ändern könntest. Zum Beispiel könntest du auf alle Menschen erst einmal mit einem Lächeln zugehen. Du könntest dich bei jeder Begegnung gleich zu Beginn daran erinnern, wie einzigartig jeder Mensch ist. Du kannst bei jeder Begegnung das Besondere, das Schöne des anderen betrachten und ihn dafür wertschätzen.

3. Übung: Verändere deine Gewohnheit der Wahrnehmung

 

Richtest du den Blick auf die Fülle oder auf den Mangel im Leben? Dein Blick entscheidet, wie sich dir die Welt präsentiert.

Das Gemeine an so einem dunklen Punkt wie in der Geschichte beschrieben ist ja auch, dass er, je länger man sich mit ihm beschäftigt, immer größer und wichtiger wird. Damit die schwarzen Punkte in deinem Leben nicht derart bedeutungsvoll werden, versuche deine Wahrnehmung auf das weiße Blatt Papier zu richten. Das weiße Papier steht für die Fülle im Leben, denn das Leben hat viel mehr zu bieten als schwarze Punkte.

Gewöhne dir an, deinen Fokus nicht auf das, was nicht gut läuft zu richten, sondern auf das, was alles läuft und was bereits alles da ist. Und das beziehst sich nicht nur auf das Leben sondern auch auf deine Person. Du bist nicht der Mangel (z.B. an Selbstbewusstsein, Schönheit, Sportlichkeit), sondern du bist die Fülle (z.B. an Herzlichkeit, Mitgefühl, Kreativität etc.)

  • Ich achte bei Begegnungen darauf, nicht mehr ständig zu lästern.
  • Statt sofort zu kritisieren, erinnere ich mich daran, dass jeder Mensch die Welt durch seine ganz persönliche Brille sieht.
  • Ich vermeide es, ständig über Negatives zu sprechen und achte bewusst darauf, in Gesprächen über Positives zu erzählen.

Über Achtsamkeit im allgemeinen, was das ist und wie es dir hilft, kannst du hier weiterlesen