Stress abbauen mithilfe des Gedanken-Checks

Wer hat hier eigentlich die Hosen an? Ich oder dieses stressige Treiben in meinem Oberstübchen? Da geht es wie in einem Wimmelbuch zu und ich habe das Nachsehen. Von wegen, ich bin der Meister meines Verstandes. So weit ist es also gekommen: Ich mache mir Gedanken über meine Gedanken. Höchste Zeit, klarzustellen, wer hier der Boss ist, um den Stress im Kopf abzubauen.

Das beste Mittel, um Stress abzubauen: Sei einfach!

Gedanken erkennen und Stress abbauen

Holla, die Waldfee! Ich bin wieder komplett im Alltags-Modus angekommen, als seien die Sommerferien bereits Jahre vorbei. Arbeiten, Haushalt, Hundekind versorgen, meinen alten Vater betreuen und selbstverständlich immer ein offenes Ohr für die Kinder haben. Irgendwie bin ich in all das wieder hineingeschlittert, dabei wollte ich es doch langsam und achtsam angehen.

Es gibt Muster im Gehirn, die laufen manchmal selbstständig ab, ohne Rücksprache mit unserem bewussten Denken.

Kaum ist der Alltag da, schalte ich auf Automatik-Modus. Das passiert trotz der guten Vorsätze. Und schnell fühle ich mich wieder getrieben, gehetzt, überlastet und fremdbestimmt. Mein Leben hat mich in der Hand – nicht umgekehrt. Zeit, mit der Faust auf den Tisch zu hauen: Wer ist hier der Herr im Haus? Ein Gedankenmuster, das ich sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen habe, heißt Perfektionismus – Meine Mutter war eine konsequente Verfechterin dieses Anspruchs. Das erklärt, warum ich in jedem Bereich alles hundert Prozent machen möchte. Dass das nicht geht, ist mehr als logisch, doch passe ich nicht achtsam auf, dirigiert mich dieses Gedankenmuster quasi wie ein Autopilot durch den Tag.

Das Erkennen gedanklicher Unfreiheiten ist bereits der erste Schritt.

Jetzt zu dir: Achte bewusst auf deine gedanklichen Muster. Dazu musst du immer mal wieder zwischendurch innehalten und checken, was du gerade denkst. Am besten klappt das, indem du erst einmal bewusst atmest, um dich mit deinem Körper zu verbinden. Spürst du diese Verbindung, wirst du dir selbst gegenüber weicher und nachsichtiger. Du fühlst dich. Und das reicht bereits, um etwas Abstand zu deinen Gedanken zu bekommen. So kannst du sie aus der Distanz betrachten. Das ist der erste Schritt, um dich von Mustern zu lösen.

Stress abbauen ist mentale Übungssache

In diesem achtsamen Erkennen deiner Gedanken geht es noch nicht darum, etwas zu verändern. Allein das Wissen um diesen Umstand, dass du prinzipiell in deinem Handeln frei bist, ermöglicht das Verstehen, wie du tickst. Wohl oder übel akzeptiere auch ich, dass mich wieder mal ein übernommenes Muster am Wickel hat. Doch da ich mir dessen bewusst bin, macht es einen Unterschied. Ich schüttle den Kopf über mich und kann drüber lächeln. Das bedeutet nicht, dass ich sofort von heute auf morgen den Hebel umlegen kann, doch je öfter ich erkenne, desto lockerer wird das Band dieses Gedankenmusters, bis es sich irgendwann komplett löst.

Der Psychotherapeut Vincent Deary beschreibt diese über Generationen ausgetretenen Wege als Trampelpfade, in dessen Spuren wir noch heute achtlos hinterher trotten.

„Diese Pfade sind nicht nur in unsere Nerven und Erinnerungen, in unsere Muskeln, Gesten und Denkgewohnheiten eingegraben. Wir schlagen sie auch durch unsere Umwelt.“

Aus „Wie wir sind

Genauso ist es und meine Lieben können da ein Lied von singen. Denn natürlich gebe ich meine übernommenen Gedankenmuster entsprechend an meine Familie weiter. Nicht willentlich, unbewusst. Und ich bin nicht stolz drauf, dass mein Mann mich liebevoll mit „unser Spieß“ bezeichnet und dazu grinsend salutiert. Auch so ein Muster… selbsterklärend. Und genau deswegen reicht es mir jetzt auch!

„Der rebellische Geist bahnt neue Wege, erschließt neues Terrain …Wer will bloß ein Rädchen im Getriebe sein?“

Aus „Wie wir sind“

Denke ich jetzt so über dieses Thema nach, stelle ich fest, dass es diese vielen Gedankenmuster sind, die mir meine Identität geben. Das hört sich beängstigend an. Doch wenn ich so überlege: In Bezug auf mein Verhalten und meine Entscheidungen klammere ich mich gedanklich meist an Vergangenes und Erfahrenes. Bin ich demnach ein Auslaufmodell? Ich funktioniere nach meinen gelernten Mustern und irgendwie geben die mir eine Form. Was bleibt übrig, wenn ich mich von diesen Gedankenmustern löse? Tatsächlich Freiheit und die Freude, mich selbst zu entdecken. Stress abbauen geschieht dann wie von selbst.

Stress abbauen auf dem Weg zum Sein.

Ich unterstelle einfach, dass dein gegenwärtiges Erleben ebenfalls permanent von Gedanken abgelenkt wird. Trotz guten Willens absorbiert dein Geist blitzschnell das bewusste Erleben und formt daraus eigenständig irgendwelche Gedanken. Doch derart dem Geiste ausgeliefert, sind wir nie wirklich präsent. Dafür bedarf es Bewusstheit. Und erst durch Bewusstheit gelingt es dann auch, Gedankenmuster zu entlarven, Stress abzubauen und zum wahren Sein zu gelangen.

Der spirituelle Lehrer Eckhart Tolle fordert dazu auf, das Bewusstsein vom Verstand zurückzufordern.

Erst wenn uns das gelänge, würden wir uns unseres Seins bewusstwerden. Sprich einen Zustand komplett losgelöst von Gedankenmustern erfahren. Oh là là, wie soll das denn gehen? Im Grunde nicht schwer: Indem wir unserem inneren Körper mehr Beachtung schenken. Also spüren, spüren, spüren – Achtsamkeit eben. Immer wieder am Tage innehalten und sich über den Atem mit sich selbst verbinden. Durch die bewusste Gewahrwerdung unseres Inneren, steigt die Frequenz unserer Schwingungen, also dessen, was in unserem Innersten pulsiert.

Eckhard Tolle vergleicht hier mit einem Licht, das heller wird, wenn man an dem Dimmer dreht.

Das mag ich, dieses Bild präge ich mir ein und lasse alles liegen, mache mir einen leckeren Milchkaffee, dazu ein Keks und ab damit auf die Terrasse. Einfach sein und das genießen, was alles bereits da ist. Alles andere kann warten.
Mein Fazit also: Das beste Mittel, um Stress abzubauen: Sein.

Da fällt mir noch ein Spruch des Dalai Lama ein, den ich neulich irgendwo gelesen habe:

Es gäbe nur zwei Tage im Jahr, an denen man nichts tun könne, nämlich gestern und morgen. Und das Heute sei der richtige Tag zum Lieben und Leben.

  • Sobald ich wahrnehme, dass ich wegen eines gedanklichen Musters in einen Automatismus verfalle, halte ich bewusst inne.
  • Ich spüre nach, was dieses Muster mit mir macht: Wie fühlt es sich körperlich an?
  • Ich gebe diesem Muster einen Namen und akzeptiere es und schicke es gedanklich liebevoll fort.

 

Über Achtsamkeit im allgemeinen, was das ist und wie es dir hilft, kannst du hier weiterlesen

Weitere Informationen zum Thema "Stress abbauen" findest du hier ...