Warum der karge Winterwald ein Eldorado für Achtsamkeitsübungen ist

Zugegeben, die Natur frohlockt jetzt nicht gerade verheißungsvoll. Getüncht in sämtliche Grau- und Braunschattierungen zieht es einen nicht unbedingt in die Natur. Dabei ist der Winterwald der ideale Ort für Achtsamkeitsübungen, da er gerade jetzt viele intensive Erlebnismöglichkeiten bietet. Also warm anziehen, ob es nun stürmt oder nieselt, und raus aus dem warmen Nest.

Es knistert und kackt und einem wird schnell ein wenig unheimlich, wenn sich der Nebel zwischen die kahlen Äste und Stämme drängt. Die Konturen verwischen und plötzlich schleicht sich das Gefühl ein, vom Wald verschluckt zu werden. Jetzt, wo der Wald nicht mehr im verborgenen Schattendickicht der Blätter steht, erkennt ihr das „Skelett“ des Waldes, seine Substanz, aber auch seine geheimnisvolle Seite.

Gerade der karge Winterwald eignet sich gut für Achtsamkeitsübungen, da er uns mit unserer Ursprünglichkeit verbindet.

Hier habe ich 5 Wald-Achtsamkeitsübungen für dich:

 

“Je mehr wir die Natur auf uns wirken lassen, umso achtsamer werden wir. Aber je achtsamer wir uns in der Natur bewegen, umso differenzierter werden wir sie auch wahrnehmen.”

Huppertz und Schatanek: Achtsamkeit in der Natur, Junfermann 2015

1. Achtsamkeitsübung des Tastens

Ertaste die Stämme der Bäume, die Risse in der Borke und ihre ausgedorrten Äste. Nimm dir Zeit dabei und achte auf deine Empfindungen. Spürst du die Kraft dieser Urriesen, die der Jahreszeit trotzen? Ertaste auch die knorrigen Wurzeln. Welche Gedanken und Gefühle kommen in dir auf, wenn du über die vertrockneten Blätter an den Laubbäumen streichst und im Gegensatz dazu das grüne Kleid der Nadelbäume betastest? Spürst du das Tasterlebnis ganzheitlich in deinem Körper?

2. Achtsamkeitsübung des Riechens

Schließe deine Augen und richte deinen Fokus auf alle Gerüche und Düfte des Waldes. Kannst du die Feuchtigkeit riechen? Kannst du die unterschiedlichen Aromen der Nadelbäume wahrnehmen und den faulig moosigen Geruch der Blätter auf dem Waldboden? Welche Bilder verbindest du mit den Gerüchen, welche Erinnerungen und Gefühle entdeckst du dabei?

3. Achtsamkeitsübung des Hörens

Lehne dich an einen Baumstamm und halte deinen Blick ruhig, ohne bewusst etwas anzusehen. Jetzt achtet einmal auf sämtliche Geräusche um dich herum. Ein Knacken hier, ein Rauschen dort. Welche Assoziationen kommen dabei in dir auf? Ängste oder vielleicht Gefühle von Geborgenheit? Vielleicht aber auch Einsamkeit oder Verbundenheit mit allem, was dich umgibt? Spüre achtsam.

4. Achtsamkeitsübung der Imagination

Schreite achtsam durch den Wald, indem du bewusst einen Fuß nach dem anderen abrollst. Du gehst langsam, aber nicht so langsam wie in Zeitlupe. Der Teppich aus Laub beherbergt ein reges Leben an kleinen Tieren und Mikroben, die den scheinbar toten Nährboden in neues Leben verwandeln. Alles Leben unter deinen Füssen bereitet sich auf das neue Erwachen einer blühenden Pflanzenwelt vor. Eine Art Mikrokosmos unter deinen Füßen. Spüre wieder achtsam, welche Gefühle deine bewussten Schritte hervorrufen.

5. Achtsamkeitsübung der Stille

Abschließend spüre der äußeren Stille nach. Spüre, wie du dabei auch innerlich ganz still wirst. Alle Spannungen lösen sich, alles Äußere wird unbedeutend. Du bist ganz bei dir, tauchst ein in die Quelle der Stille in dir selbst. Genieße diesen Moment des Seins.

“Wenn wir uns in der Natur aufhalten, sind wir ein Teil von dieser ‘Akzeptanz mit dem was gerade ist’. Diese Art der Akzeptanz, schafft Klarheit, Handlungs Möglichkeit und Gelassenheit.”

www.wegezumsein.com

Vielleicht kannst du bei derartig achtsamen Waldbegehungen etwas Urtümliches spüren, etwas Tröstendes und Verbindendes mit dem Lauf des Lebens. Nutze diese Quelle der Kraft und Ausgewogenheit. Spüre das Immerwährende, das der Kälte und dem Graupel in der Gewissheit eines wiedererwachenden Frühlings trotzt.

  • Raus, nix wie raus: Ich gehe bei jedem Wetter nach draußen und spüre achtsam, wie Wind, Regen, Schnee und Sonne sich anfühlen.
  • Bei meinen Hundespaziergängen werde ich mich immer mal wieder bewusst auf einen meiner Sinne fokussieren: Hören, Riechen, Sehen, Fühlen.
  • Die Achtsamkeitsübung des bewussten Gehens integriere ich in meinen Alltag, schließlich kann ich sie auch überall unterwegs praktizieren.

Über Achtsamkeit im allgemeinen, was das ist und wie es dir hilft, kannst du hier weiterlesen